.::. Vorwort von Peter und Paul .::.



Liebe Zuschauerinnen, liebe Zuschauer,
liebe Freudenstädter,
liebe Kurgäste,
liebe Leut,





einem freundlichen Zufall verdanken wir, daß wir heute unserem Publikum einen Prolog vermitteln können, den Stadtschultheiß Hartranft auf dem Freudenstädter Amtsgericht verfasst und am 7. Februar 1876 als handfester "Nagelschmied" bei einer von der Gesellschaft "Caecilla" in der Post zu Freudenstadt veranstalteten "dramatischen Aufführung" vorgetragen hat:

Ihr wonderet Euch, was i do thue
Mit dene schmierige Hosa und dreckige Schuhe!
Was kann i defür, daß i do auf em Weg
Durch'd Loßburger Stroß bis an d'Knie en Dreck
Und en e Pfitz nei batscht be ? I wär beinoh versoffe,
Wär net zufällig der Schlette vorübergloffe.
Was i do thue, des will i Euch sage,
I hau des Theater do helfe uffschlage,
Mer hend es viel Müh gea, denn mer hot es gsait,
Es komm heut en Omasse neugierige Leut'

Wir haben die Freudenstädter Stadtgeschichte von 1881 (Der erste Kurgast kommt nach Freudenstadt) bis 1921 (Gründung des Kurvereins Freudenstadt) auf wenige Tage verdichtet und die Fülle an historischen Fakten, oftmals trocken und ausgetrocknet, in eine für Sie spannende und ansehnliche Geschichte verwandelt. Dass wir dabei das ein oder andere Mal über das Ziel hinausgeschossen und der historischen Wahrheit manchmal ein weing nachgeholfen haben, sei unbestritten.

Im Rahmen unserer Recherchen über die Ära "Hartranft", ist auch in uns eine Hochachtung gewachsen, vor dem Mann, der die Geschichte der Stadt Freudenstadt in einem ganz erheblichen Maß vorangetrieben hat. Ein Mensch mit Visionen und Träumen, dem Freudenstadt seinen Aufstieg zum internationalen Luftkurort verdankte. Von vielen belächelt und verspottet, machte er den Weg frei für seine Visionen.



Sein geliebtes Freudenstadt,
Das ihm viel zu danken hat!
Glück, Gesundheit, Kraft und Segen
Unserm Hartranft allerwegen!



Auch die Gründung oder Wiederbelebung des Freudenstädter Sommertheaters 1999 verdanken wir den Träumen einer Hand voll Menschen, die sich heute noch mit ihrer ganzen Energie für den Erhalt dieser Einrichtung einsetzen. Obwohl das Freudenstädter Sommertheater mittlerweile zu einer Institution wurde, ist der Erhalt jedes Jahr aufs Neue in Frage gestellt. Nicht die Phantasie und die Energie der Mitwirkenden setzen die Grenzen, sondern der pekuniäre Rahmen (pekuniär bedeutet finanziell oder in Zusammenhang mit Geld stehend).

Um so mehr freuen wir uns, dass wir Sie dieses Jahr noch einmal zu einem Theaterspaziergang durch die zu Hochzeiten des Kurbetriebes errichteten Anlagen einladen dürfen. Doch diesmal nicht in das eigens für den Kurbetrieb erreichtete Kurhaus und seine üppigen Gärten, sondern wir kehren an die Geburtsstätte des Freudenstädter Sommertheaters zurück: Vor acht Jahren fand auf der Liegewiese des Kienbergs und den umliegenden Wäldern und Wiesen Wilhelm Hauffs "Das kalte Herz" als erstes Freudenstädter Sommertheater statt. Und wie es den Täter wieder an seinen Tatort zieht, zieht es auch uns an den Ort unserer ersten Taten magisch an.

Gehen Sie mit uns auf dem Kienberg auf die Suche nach dem Mörder einer ungeliebten Leiche, wandeln Sie auf adeligen Pfaden, steigen Sie mit uns in die Niederungen der Dienstboten, hören Sie den Amtsschimmel wiehern, lassen Sie sich vom Gesäusel der Verliebten verführen und erkennen Sie: Auch Sie brauchen ein "Vetterle".

So hoffen wir, um es mit Hartranft zu sagen, auf eine "Omasse neugierige Leut", die das diesjährige Freudenstädter Sommertheater besuchen werden.

Wir verneigen uns vor dem Ensemble
Applaus für alle Mitwirkenden
Dank dem Veranstalter
Vorhang auf
Ihre
Peter Höfermayer und Paul Siemt



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