.::. Die Leiche wird aus dem Keller geholt .::.



"Tatort Freudenstadt" geht in die zweite Folge

 

Diesmal ist der Kienberg der Schauplatz des Geschehens. Für neue Protagonisten sind auf sie zugeschnittene neue Szenen erfunden. Man darf sich überraschen lassen. Sie sind wieder in Freudenstadt, die Drehbuchautoren und Regisseure Paul Siemt und Peter Höfermayer. Und mag sich der Schnee auch noch so hoch türmen: Sie sehen vor ihrem geistigen Auge bereits Heerscharen von Sommertheater-Begeisterten zum Kienberg pilgern. Und sie versprechen jetzt schon: "Die mit dem letztjährigen Stück gesetzten Maßstäbe werden noch getoppt."

"Ich freu' mich drauf", konnte darauf Tourismusdirektor Michael Krause gestern beim Pressegespräch im Kurhaus nur antworten. Denn für ihn war das Freilufttheater 2005 ein "grandioses Ereignis", war schlichtweg "das Highlight des Veranstaltungsjahres". Und das soll und kann es auch 2006 wieder werden. Die Macher jedenfalls - hierzu zählt auch die Produktionsleiterin Andrea Bendak - sind bestens aufgestellt. Die 27-köpfige spielfreudige Truppe plus drei Musiker stehen in den Startlöchern. Am kommenden Wochenende kann mit den Proben begonnen werden. So sehr die Regisseure bedauern, dass einige markante Köpfe - wie beispielsweise Matthias Bünger als Kaplan - für die diesjährige Produktion nicht mehr zur Verfügung stehen, so sehr freuen sie sich auf die dadurch bedingte Herausforderung.

Weil sie es mit Laienschauspielern/innen zu tun haben, können sie eine Rolle nicht einfach übertragen. Paul Siemt sieht das als Chance: "Jede Neubesetzung hat eine Veränderung und somit auch Positives zur Folge." Genug Stoff über die Anfänge der Freudenstädter Kur haben die beiden Autoren jedenfalls gesammelt. Und bei der Umsetzung im letzten Jahr fiel auch so manch' guter Regieeinfall der Furcht vor Überlänge zum Opfer. Der Fundus, aus dem geschöpft werden kann, ist also groß.

Peter Höfermayer ist hoffnungsfroh, dass sich die acht neuen Spielwilligen unproblematisch in das alte Ensemble integrieren lassen. "Immer wieder gibt es angenehme Überraschungen über die Fähigkeiten von Laienschauspielern", weiß er. Das Publikum darf sich also auch überraschen lassen von dem, was sich Spektakuläres zwischen dem 27. Juli und 19. August zu Füßen des Friedrichsturms tun wird. Am Titel "Tatort Freudenstadt oder Der erste Kurgast" wird festgehalten. Aber wie er ausgeschmückt wird, bleibt abzuwarten.

Auf jeden Fall wird es "neue Figuren geben und die Spur der Leiche neu gefasst", verriet Siemt gestern. Froh ist er, dass ihm Karin Armbruster als Leiche - eine extrem schwierige Rolle - erhalten bleibt.

Völlig neu sind die äußeren Rahmenbedingungen. Das Sommertheater zieht aus den Kurgefilden aus und dorthin zurück, wo es seinen Anfang genommen hat: Auf dem Kienberg. Wiewohl als "Theater-Spaziergang" vor wechselnder Kulisse konzipiert, wird der Hauptteil des Stücks auf einer Bühne auf der Liegewiese beim Friedrichsturm gezeigt. Für die Zuschauer/innen wird eine überdachte, etwa 250 Plätze fassende Tribüne aufgebaut. Denn das Wetter spielt halt mit bei einer Freiluft-Aufführung.

Die Vorbereitungen sind soweit gediehen, dass Andrea Bendak sagen konnte: Passend zum Stück wird das Kur- bähnle als Zubringer eingesetzt. Kostenlos fährt es das Publikum auf den Kienberg und wieder in die Stadt. Die Pächter des Café "Am Friedrichsturm" übernehmen die Bewirtung. "Die Familie Schneider blättert schon begeistert in alten Kochbüchern", sagte Bendak. Denn im Vorfeld zur Aufführung soll sich das Publikum auf einem zeitgeschichtlichen Jahrmarkt vergnügen können.

Neu ist auch die Vorverlegung des Sommertheaters in die letzte Schulwoche hinein. Damit können auch diejenigen erreicht werden, die immer früh in die Ferien starten.

In diesem Jahr wird das Freudenstädter Sommertheater acht Jahre alt. Die 100. Aufführung steht an. Paul Siemt war von Anfang an als Regisseur dabei und ist inzwischen hier "schon heimisch geworden". Und fragt man den Tourismusdirektor Michael Krause, dann antwortet er: "So manches würde ich zur Disposition stellen, aber nicht das Sommertheater."

:: aus der Südwestpresse im Februar 2006 ::


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